Sind Klarspüler gesundheitsschädlich?

Klarspüler sorgen in der Spülmaschine für glänzendes und fleckenfreies Geschirr. Ende 2022, Anfang 2023 kam es vermehrt zu Meldungen in Online- und Printmedien, dass Tenside aus Klarspülern ein gesundheitliches Risko für den Menschen darstellen können. Diese Meldungen verunsichern Verbraucherinnen und Verbraucher. Auslöser für die Diskussion war eine Schweizer-Studie von 2022. Diese untersuchte anhand gewerblicher Spülmaschinen die Auswirkungen von synthetischen Tensiden auf den Darm. Dabei stellte sie fest, dass hohe Konzentrationen dieser Tenside die Schutzschicht des Darms angreifen können. Dies begünstigt möglicherweise die Entstehung entzündlicher Darmerkrankungen oder Allergien. Fachleute kritisieren, dass der Untersuchungsaufbau nicht der Realität entspricht, denn die aufgenommene Menge an Klarspüler-Rückständen ist unter den Laborbedingungen der Schweizer Studie zu hoch angesetzt. Trotzdem ist es ratsam, bei Nutzung gewerblicher Spülmaschinen zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen wie optimierte Spülzyklen oder Nachspülen, angepasste Dosierung von Klarspüler und regelmäßige Wartung der Spül-Geräte. Ökologische Klarspül-Alternativen sind ebenso gesundheitlich unbedenklich. Die Expertinnen und Experten betonen, dass Klarspüler bei sachgemäßer Nutzung im privaten Haushalt kaum ein gesundheitliches Risiko darstellen. Das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft (KoHW) fasst die Ergebnisse der Studien zusammen.

Aktualisiert am: 20.03.2025
Erstellt von: Kompetenzzentrum Hauswirtschaft (KoHW)
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Studiendesign

Die Studie führte das Schweizer Instituts für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) 2022 durch. Es untersuchte insbesondere die Auswirkungen von Alkoholethoxylaten, synthetischen Tensiden, auf den Darm. Um zu untersuchen, wie Klarspüler Darmzellen beeinflussen, verwendeten die Forscherinnen und Forscher verschiedene Modelle in der Petrischale, die den menschlichen Körper nachahmen. Diese Modelle behandelten sie mit unterschiedlichen Konzentrationen von Klarspüler mit Verdünnungen von bis zu 1:40.000.

In einem weiteren Experiment untersuchte die Forschungsgruppe das Vorhandensein von gesundheitsgefährdenden Substanzen auf der Oberfläche des Geschirrs nach einem vollständigen Waschzyklus. Danach untersuchten sie das zellschädigende Potenzial dieser Substanzen in Abhängigkeit von der Konzentration. Die Versuchsreihe führten die Forscherinnen und Forscher mit reinem Geschirrreiniger, Klarspülern und gemischten Produkten sowohl in gewerblichen als auch in haushaltsüblichen Geschirrspülmaschinen durch. Nur bei gewerblichen Spülmaschinen und beim Einsatz von Klarspülern traten deutliche Zellschäden auf. Je höher die eingesetzte Klarspüler-Konzentration war, desto größer waren die Zellschäden. Die Geschirr-Reinigung in einer haushaltüblichen Spülmaschine mit den genannten Mitteln hatte keine messbaren schädlichen Auswirkungen auf die Körperzellen.

Kritik an der Studie

Einige Fachleute kritisieren die Studie. Sie sagen, die Ergebnisse der Studie seien nicht einfach vom Reagenzglas auf den Menschen übertragbar (IHO, 2022; Worzewski, 2023), weil der Untersuchungsaufbau Schwachstellen aufweist und zudem nicht dem Spülalltag entspricht. Das zeigt sich in folgenden Aspekten:
  • Die Dosierung des Klarspülers erfolgte in der Untersuchung etwa 1000-fach höher als in der praktischen Anwendung im Alltag.
  • Die Aufnahme von Klarspüler-Rückständen im Magen-Darm-Trakt ist in der Realität noch geringer, da es zu einer Verdünnung der Konzentration infolge von Lebensmittelresten in der Spülmaschine und Verdauungssäften im Magen-Darm-Trakt kommt.
  • Die Forscherinnen und Forscher trugen im Versuch die Tenside direkt auf die Darmzellen auf. Im menschlichen Körper sind die eigentlichen Darmzellen aber noch von der Darmschleimhaut als Schutzmantel umgeben. Dies verhindert Rückschlüsse über die Wirkungsweise des Tensids auf die Darmschleimhaut.

Waschmittelverbände und das Robert-Koch-Institut weisen zudem darauf hin, dass es sich bei Alkoholethoxylaten um Substanzen handelt, die umfassend toxikologisch geprüft sind. Die Ergebnisse dieser Prüfungen zeigen, dass der Einsatz bei sachgemäßer Anwendung unbedenklich ist. Um eine konkrete Gefahr für den Darm festzustellen, sind noch weitere Studien nötig (Worzewski, 2023).

Empfehlungen für den Einsatz von Klarspülern bei gewerblichen Spülmaschinen

  • Optimierte Spülzyklen: Gewerbliche Spülmaschinen arbeiten oft mit kürzeren Zyklen. Setzen Sie zusätzliche Nachspülgänge ein, um Rückstände von Klarspülern zu minimieren, oder ziehen Sie längere Klarspülphasen in Betracht.
  • Regelmäßige Wartung: Überprüfen und reinigen Sie Dichtungen und Sprüharme regelmäßig, um Ablagerungen und Rückstände zu reduzieren.
  • Angepasste Dosierung:  Stellen Sie die Klarspüler-Dosierung gemäß der Produkthinweise und passend auf die Wasserhärte ein, um eine Überdosierung zu vermeiden.
  • Testen Sie alternative Produkte: Der Einsatz umweltfreundlicher oder zertifizierter Klarspüler kann helfen, potenzielle Gesundheitsrisiken zu reduzieren.
  • Sensibilisierung des Personals: Informieren Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über den richtigen Umgang mit Reinigungsmitteln, um unnötige Belastungen des Abwassers zu minimieren.

Bedeutung für den Privathaushalt

Eine gesundheitliche Schädigung infolge eines Einsatzes von Klarspüler in haushaltsüblichen Geschirrspülmaschinen stuft die Schweizer Studie als nicht nachweisbar ein. Haushaltsübliche Geschirrspülmaschinen führen mehr Spülzyklen als gewerbliche Maschinen durch und minimieren so Rückstände (IHO, 2022; Worzewski, 2023). Laut einer Stellungnahme des Industrieverbands für Hygiene- und Oberflächenschutz (IHO) dosieren Geschirrspülmaschinen im Haushalt zudem Klarspüler in sehr geringen Mengen. Die Spülvorgänge entfernen folglich den Klarspüler weitgehend. Ein gesundheitliches Risiko ist entsprechend als äußerst gering einzustufen.

Möchten Sie im Haushalt das Risiko weiter minimieren, beachten Sie folgende Hinweise:
  1. Wählen Sie Klarspüler bewusst aus. Alle Inhaltsstoffe eines Produkts befinden sich auf der Rückseite der Produkt-Verpackung. Alkoholethoxylate verbergen sich hinter Bezeichnungen wie Laureth-7, Ceteareth-12, Steareth-20 oder ethoxylierte Alkohole. Informationen zu den Inhaltsstoffen finden Sie außerdem auf den Webseiten der Herstellerfirmen. Fragen Sie dort nach, wenn Sie im Blick auf die Produktzusammensetzung unsicher sind.
  2. Setzen Sie Klarspüler sparsam und nur nach den Dosierhinweisen auf der Produktverpackung ein.

Alkoholethoxylate:

Eine Klasse von synthetischen Tensiden, die durch die Reaktion von Fettalkoholen mit Ethylenoxid entstehen und für ihre starke fettlösende Wirkung bekannt sind.

Alkylpolyglucoside (Zuckertenside):

Biologisch abbaubare Tenside, die man aus pflanzlichen Quellen wie Zuckerrohr oder Kokosöl gewinnt.

Biologisch abbaubar:

Materialien oder Substanzen, die durch natürliche Prozesse von Mikroorganismen in ihre Bestandteile zerlegt werden können.

Bundesamt für Risikobewertung (BfR):

Eine deutsche Behörde, die sich mit der Bewertung von Gesundheitsrisiken und der Sicherheit von Lebensmitteln und Chemikalien beschäftigt.

Entzündliche Darmerkrankungen:

Krankheiten, die durch Entzündungen im Darm verursacht werden und zu Symptomen wie Schmerzen, Durchfall und Blutungen führen können.

Ethylenoxid:

Eine chemische Verbindung, die man bei der Herstellung synthetischer Tenside wie Alkoholethoxylaten verwendet.

Fettalkoholpolyglykolether:

Tenside auf Basis nachwachsender Rohstoffe, die ebenfalls biologisch abbaubar sind.

Industrieverband für Hygiene- und Oberflächenschutz (IHO):

Ein Verband, der die Interessen von Unternehmen vertritt, die Reinigungs- und Hygienemittel herstellen.

Schutzschicht des Darms:

Die Schutzschicht liegt wie ein Tuch über sämtlichen Ausstülpungen und Einbuchtungen im Inneren des Verdauungsorgans und erfüllt zwei grundlegende Aufgaben: Zum einen nimmt sie Nährstoffe, Wasser und Elektrolyte aus der Nahrung auf, zum anderen wehrt sie unerwünschte Stoffe wie etwa schädliche Bakterien ab (Worzewski, 2023).

Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF):

Das SIAF wurde 1988 als Institution der Stiftung Schweizerisches Forschungsinstitut für Hochgebirgsklima und Medizin (SFI) in Davos (Schweiz) gegründet. Das SIAF ist seit 1995 an die Universität Zürich angeschlossen.

Tenside:

Substanzen, die die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten herabsetzen und zur Reinigung und besseren Benetzung des Geschirrs mit Wasser beitragen.

Zuckertenside (Alkylpolyglucoside):

Biologisch abbaubare Tenside, die man aus pflanzlichen Quellen wie Zuckerrohr oder Kokosöl gewinnt.

Quellen

Quellen liegen am KoHW vor.

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