Die sandigen Böden des Sandsteinkeupers werden kleinflächig von wasserstauenden tonigen Sedimenten durchzogen. So konnten sich Bäche und wassergeprägte Waldgesellschaften bilden, die in den vorherrschenden Kiefernwäldern des Nürnberger Reichswalds eingestreut zu finden sind. Gerade die großen, zusammenhängenden Waldkomplexe mit einer Vielzahl an Biotopen trockener bis feuchter Standorte haben ein Gebiet mit herausragender naturschutzfachlicher Bedeutung vor den Toren Nürnbergs und Erlangens entstehen lassen. Der Naturwald bietet Lebensraum für den Eisvogel, die Waldschnepfe, zahlreiche Spechtarten und weitere Höhlennutzer, seltene Pilz- und Pflanzenarten, die an wechselnde oder dauerfeuchte Lebensbedingungen sowie Gewässer im Wald angepasst sind.
Lage, Größe und Ausformung
Der rund 317 ha große Naturwald verteilt sich auf Waldflächen im Sebalder Reichswald, dem Nordwestteil des Nürnberger Waldgürtels, sowie dem Lorenzer Reichswald als südlich der Pegnitz gelegener Teil des Nürnberger Reichswalds. Die Naturwaldfläche umfasst das Gründlachtal von Heroldsberg bis zur Autobahn Würzburg-Nürnberg sowie einen Teil der „Simmelsberger Gründlach“ im Osten von Heroldsberg. Das Teilgebiet an der Brucker Lache liegt südöstlich von Erlangen. Das nördlichste Teilgebiet im Sebalder Reichswald liegt im Dormitzer Forst. Im Lorenzer Reichswald begleitet der Naturwald den Fischbach und den Hutgraben zwischen dem Eisweiher bei Fischbach und dem Valznerweiher bei Nürnberg.
Charakteristische Waldlebensräume
Die Waldlebensräume im Naturwald reichen von sumpfigen, teilweise anmoorigen Bruch- und Sumpfwäldern bis hin zu den gewässerbegleitenden Erlen-Eschen-Auewäldern entlang der Bäche und Gräben der Gründlach. Eine blütenreiche Kraut- und Strauchschicht aus Holunder, Traubenkirsche und Pfaffenhütchen, in wassergeprägten Bereichen auch Schwertlilien und Seerosen sowie Verlandungsröhricht und Großseggenriede, bereichern in Teilen die Lebensräume. Der Naturwald ist geprägt von Schwarzerlen, Moorbirken, Weiden- und Pappelarten sowie größeren Flatterulmenvorkommen. Die Flächen sind zum Teil von mächtigen Alt-Eichen durchsetzt. Zudem kommen weitere Edellaubbaumarten wie Esche und Ahorn vor, aber auch Kiefern und Fichten sind zu einem gewissen Anteil vertreten.
Schwarzerlen-Bruchwälder
Schwarzerlen-Eschen-Sumpfwälder
Fichten-Schwarzerlen-Sumpfwälder
Auenwälder mit Erle und Esche
Charakteristische Arten mit Waldbezug
Klein-, Mittel-, Bunt-, Schwarz-, Grün-, Grauspecht
Hohltaube
Eisvogel
Wasseramsel
Waldschnepfe
Waldwasserläufer
Trauer- und Grauschnäpper
Diverse Amphibien- und Reptilienarten
Biber
Fledermäuse, u.a. Wasserfledermaus
Nachtfalter wie das Schlehen-Grauspinnerchen und das bis zu 10 cm große Blaue Ordensband
Libellen
Mykorrhiza-Pilze, insbesondere an der Schwarzerle wie Schnitzlinge oder der Moosmilchling
Bartflechten
Walzen-Segge
Schwertlilie
Besonderheiten
Naturwaldreservat „Brucker Lache“
Das seit rund 45 Jahren bestehende Naturwaldreservat Brucker Lache liegt am südöstlichen Stadtrand von Erlangen und bildet den Großteil des gleichnamigen Naturschutzgebiets. Prägend ist der Eschen-Schwarzerlen-Bruchwald mit eingesprengten Fichten und Kiefern in der Rezat-Rednitzsenke. Rund um die etwas erhöhten Stammfüße der Erlen bildet die horstförmig wachsende und für diese Waldgesellschaft namensgebende Walzen-Segge ihre typischen Polster aus. Unter den sechs im Reservat vorkommenden Spechtarten ist u. a. der nur etwa sperlingsgroße Kleinspecht zu beobachten. Er baut seine Höhlen bevorzugt in abgestorbene, morsche Äste und Hochstümpfe alter Schwarzerlen, Weiden und Pappeln. Die große Zahl von Bruthöhlen in den Bäumen bietet auch Platz für die erst spät im Jahr aus Afrika eintreffenden Trauerschnäpper und Grauschnäpper.
Multifunktionale Auenlandschaft Gründlachtal
Das Gründlachtal im Sebalder Reichswald ist der Naturwald gleichzeitig als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen. Hier soll der natürliche Lebensraum für den Biber und die natürliche Auen- und Gewässerdynamik der Gründlach erhalten und entwickelt werden. Das Gründlachtal ist eine von Bächen und Gräben durchzogene naturnahe Auenlandschaft mit Schwarzerlen, Eschen und einzelnen mächtigen Eichen. Aufgrund des geringen Gefälles mäandriert die Gründlach auffällig stark.
Bannwald „Sebalder Reichswald“ und „Teile des Lorenzer Reichswaldes und des so genannten südlichen Reichswaldes“
Auf der Grundlage des Bayerischen Waldgesetzes von 1976 wurden im Jahr 1979 fast 47.000 Hektar des mittelfränkischen Waldgebietes, darunter der Lorenzer und Sebalder Reichswald, die Mönau und der Meilwald bei Erlangen sowie der Stadtwald von Fürth und Zirndorf als erste Bannwälder Bayerns unter den strengsten Schutz des Bayerischen Waldgesetzes gestellt. Wälder, die aufgrund ihrer Lage und flächenmäßigen Ausdehnung vor allem in Verdichtungsräumen und waldarmen Bereichen unersetzlich sind und deshalb in ihrer Flächensubstanz erhalten werden müssen, können als Bannwälder ausgewiesen werden. Ein Bannwalddenkmal nördlich des Kreuzweihers im Dormitzer Forst erinnert an die Erklärung des Sebalder Reichswaldes zum Bannwald vor über 40 Jahren.
Naturwälder erleben
Die natürliche, ungestörte Entwicklung der Naturwälder bietet die Möglichkeit, der Natur bei diesem spannenden Weg „über die Schulter zu schauen“. Hierfür stehen Besucherinnen und Besuchern Forststraßen und je nach Gebiet Parkplätze, Rad- und Wanderwege zur Verfügung. Fußgängern und Wanderern gilt hierbei der Vorrang.
Hinweis: Mehr Natur – mehr Totholz
In Naturwäldern wird die natürliche Entwicklung von Wäldern mit jungen, alten und absterbenden Bäumen geschützt. Ein erhöhter Totholzanteil ist hier durchaus erwünscht. Umfallendes Totholz und herabfallende Äste gehören zu waldtypischen Gefahren und können auf diesen Flächen in verstärktem Maße auftreten. Bitte seien Sie sich dieser waldtypischen Gefahren bewusst und verlassen Sie den Naturwald bei stärkerem Wind umgehend. Der Besuch des Naturwaldes erfolgt auf eigene Gefahr.
Tennenlohe – Parkplatz am Walderlebniszentrum Tennenlohe am nördlichen Ortsrand von Tennenlohe
Waldparkplatz Kraftshofer Forst – direkt an der Kreuzung zwischen Loeschweg und Heroldsberger Weg. Der Loeschweg verbindet Buchenbühl mit Kalchreuth.
Parkplatz Lorenzer Wald bei Fischbach – westlich von Fischbach am Ende der Straße Amtmannsbrücklein
Parkplatz am Lorenzer Wald – südlich des Valznerweihers in der Valznerweiherstraße
Die Forstwege im und um den Naturwald bieten eine hervorragende Infrastruktur für Wanderungen. Aber auch einige markierte Pfade und Wanderwege bieten sich für Ausflüge zur Erkundung der Besonderheiten dieses Gebietes an.
Sie erreichen das Naturwaldreservat Brucker Lache über den Franzosenweg, der in Erlangen als Fuß- und Radweg das Forschungszentrum und den Stadtteil Tennenlohe miteinander verbindet. Parkplätze befinden sich im Süden des Reservats bei der Einmündung des Franzosenwegs in die Weinstraße (ER3) und am Walderlebniszentrum Tennenlohe. Am Walderlebniszentrum selbst gibt es einen Naturerlebnispfad, der die ganze Familie dazu einlädt an verschiedenen Stationen selbst aktiv zu werden, um den 'Wald' mit allen Sinnen zu erspüren.
Vom Waldparkplatz Kraftshofer Forst führt der Weg entlang der Gründlach und über den Wildmeistersteig bis zum Markt Heroldsberg. Mit ihren vielen Baudenkmälern lädt die Vierschlösserstadt selbst zu einem Besuch ein. Wer möchte, kann auch vom Parkplatz in westlicher Richtung zur Gründlachbrücke gehen und wird rechter Hand nach kurzer Zeit auf dem Wolfsfelder Weg der Ludwigseiche, einem Naturdenkmal, begegnen.
Vom Parkplatz Lorenzer Wald bei Fischbach geht die Wanderung zunächst am Waldspielplatz am Eisweiher vorbei. Danach führt der Lohengrinweg durch den Lorenzer Reichswald vorbei am Holzweiher Richtung Nürnberg. Schließlich überquert man den Fischbach und wandert entlang des Hutgrabens zum Valznerweiher. Nicht weit vom Valznerweiher liegt der Walderlebnispfad Nürnberg-Zerzabelshof. Hier warten mehrere Erlebnisstationen rund um das Thema Wald darauf, ausprobiert zu werden.
Auf einem ausgeschilderten Rundweg von ca. 4,5 km Länge durch den Nürnberger Reichswald erhalten Sie anhand von Bodenprofilen einen Eindruck von den unterschiedlichen Waldböden. Gleichzeitig bringen Ihnen Informationstafeln die wechselvolle Geschichte des Reichswaldes bis hin zur heutigen Bewirtschaftung näher. Erreichbar ist der Bodenlehrpfad von Nürnberg – Neunhof kommend auf der Kreisstraße ERH 6 Richtung Kalchreuth. Nach ca. 4 km ist der Parkplatz „Bodenlehrpfad“ ausgeschildert.
Ansprechpartner
Wollen Sie mehr über die Naturwaldfläche „Feuchtwälder im Nürnberger Reichswald“ erfahren, stehen Ihnen für die Teilflächen im Sebalder Reichswald das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Erlangen bzw. für die Teilfläche im Lorenzer Reichswald das AELF Roth-Weißenburg sowie für den Gesamtbereich der Forstbetrieb Nürnberg als Ansprechpartner zur Verfügung.