Online-Veranstaltung am 21. und 22. April 2021
Bayerische Fachtagung Soziale Landwirtschaft "Der Bauernhof – vielfältig. engagiert. wirtschaftlich"

Getreidekörner in offenen Handflächen (© Den Kuvaiev/ThinkStock.com)Zoombild vorhanden

© Den Kuvaiev/ThinkStock.com

An der ersten bayerischen Fachtagung Soziale Landwirtschaft "Der Bauernhof – vielfältig.engagiert.wirtschaftlich" haben sich über 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Möglichkeiten und Chancen der Sozialen Landwirtschaft informiert und trotz des Online-Formats intensiv untereinander ausgetauscht.

Soziale Landwirtschaft und soziales Unternehmertum wird in Bayern bereits gelebt. Das Angebot ist vielfältig und reicht vom Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung, über tiergestützte Intervention mit Bauernhoftieren bis zum Seniorenwohnen auf einem Bauernhof. Bayern ist Vorreiter in Deutschland bei Sozialer Landwirtschaft und unterstützt das Thema seit über zehn Jahren intensiv. Es gibt inzwischen über 150 Anbieter in Bayern.

Die soziale Landwirtschaft stärkt mit ihren Angeboten den ländlichen Raum, unterstützt Inklusion und das Ziel, jedem Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Der landwirtschaftliche Betrieb kann dadurch ein zusätzliches Einkommen oder eine Arbeitskraft gewinnen. Gleichzeitig ist es oft auch eine sinnerfüllte Tätigkeit. Die Landwirtschaftsverwaltung unterstützt die Betriebe mit Beratung, Bildung, Förderung und begleitender Forschung.

Dokumentenservice für Teilnehmer/-innen
Die Vorträge und Präsentationen stehen für die Tagungsteilnehmer bis Ende Mai zum Nachlesen zur Verfügung, soweit sie uns von den Referentinnen und Referenten überlassen wurden. Die Urheberrechte an den Unterlagen sind zu beachten; sie liegen in der Regel bei den Autoren.

Programm

Mittwoch, 21. April 2021

10:00 | Eröffnung der Fachtagung

– Soziale Landwirtschaft – vielfältig und engagiert

Staatsministerin Michaela Kaniber

– Grußworte

– Mehrwert durch Soziale Landwirtschaft für Betriebe und Gesellschaft

Dr. Thomas van Elsen, Universität Kassel

– Soziale Landwirtschaft – Ergebnisse einer Bestandsaufnahme in Bayern

Petra Kubitza, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

12:00 | Mittagspause

13:30 | Workshop 1: Wohnen für Senioren auf dem Bauernhof

Praktiker und Planer beleuchten das Thema hinsichtlich möglicher Wohnformen, deren Anforderungen, Chancen und Wirkungen auf das soziale Umfeld.

15:15 | Pause

15:45 | Workshop 2: Arbeitsplätze mit Inklusion – Wertvolle Mitarbeiter für meinen Betrieb

Sie lernen motivierende Praxisbeispiele kennen, bekommen Finanzierungsmodelle vorgestellt und wie Sie die richtigen Ansprechpartner finden. Wir zeigen Möglichkeiten und erste Schritte zur Schaffung von Arbeitsplätzen mit Inklusion auf.

Ende ca. 17:30

Donnerstag, 22. April 2021

9:30 | Gemeinsamer Start in den Tag

10:00 | Wertschätzende Kommunikation – Wir verstehen einander. Menschen mit besonderem Begleitungsbedarf in der Sozialen Landwirtschaft gut integrieren

Ines Schicht, Sozialpädagogin

10:45 | Pause

11:00 | Workshop 3: Mein Betrieb – mein Konzept

Das richtige Betriebszweigkonzept für meinen Betrieb finden. Mitglieder aus dem von der EU geförderten Innovationsprojekt Soziale Landwirtschaft berichten (EIP-Agri).

12:30 | Mittagspause

13:30 | Workshop 4: Tiergestützte Angebote –Tiere bewegen Menschen

Versierte Praktikerinnen geben einen Einblick in ihre Arbeit und zeigen, wie Tiere eingesetzt werden und helfen können. Erfahren Sie mehr über die Wirkungsweisen von Tieren auf Menschen und lernen Sie die Vielfalt der tiergestützten Angebote kennen! Anregungen zur Finanzierung und Ausbildungsmöglichkeiten runden den Workshop ab.

15:00 | Abschluss und Ausblick

Organisation

Regierung von Oberbayern
Bereich 6 Ernährung und Landwirtschaft
80538 München
E-Mail: vz6@reg-ob.bayern.de

Zusammenfassung der Hauptvorträge

Dr. Thomas van Elsen: Mehrwert durch Soziale Landwirtschaft für Betriebe und Gesellschaft

Soziale Landwirtschaftsbetriebe in überschaubaren Strukturen bieten Perspektiven für die individuelle Entwicklung von Menschen mit Hilfebedarf, einen nachhaltigen Umgang mit der bewirtschafteten Natur und für die Belebung ländlicher Räume. Dr. van Elsen stellte die mannigfachen Möglichkeiten und Angebote in der Sozialen Landwirtschaft in Europa vor. Er wies auf die Entwicklungspotenziale hin, die in den genannten Beispielen zum Ausdruck kommen. Für die Höfe, für Landwirte, Sozialarbeiter und Pädagogen in der Landwirtschaft bedeutet es aus seiner Sicht, dass ihre Arbeit auf eine solide finanzielle Grundlage gestellt wird, dass der Stellenwert Sozialer Landwirtschaft in der Gesellschaft ein anderer werden muss, und dass der Mehrwert einer sozialeren Landbewirtschaftung gesellschaftliche Anerkennung findet. Dazu sollte ein offener Diskurs über die finanzielle Gestaltung von Angeboten und Kooperationen gefördert und eventuell auch neue Gestaltungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Petra Kubitza: Soziale Landwirtschaft – Ergebnisse einer Bestandsaufnahme in Bayern

Seit zehn Jahren steigen immer mehr landwirtschaftliche Betriebe in die Soziale Landwirtschaft ein. Waren es zwischen 2000 und 2010 um die zehn Betriebe, so sind es im Zeitraum von 2010 bis 2019 schon über 30 Betriebe. Die Betriebe verteilen sich wie folgt: 27 % machen Freizeit- und Bildungsangebote, 25 % sind aktiv in der Beruflichen Rehabilitation/Teilhabe, 22 % machen Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche, 14 % arbeiten mit tiergestützter Intervention und 12 % bieten Wohn- und Betreuungsangebote an. Soziale Landwirtschaft verändert den Betrieb oft nachhaltig und kann ein echtes Familienprojekt werden. Daneben sind die Bereitschaft für soziales Unternehmertum und der Mut sich auf Neues einzulassen für Petra Kubitza Teile des Erfolgsrezeptes für den Einstieg in den Betriebszweig Soziale Landwirtschaft.

Ines Schicht: Wertschätzende Kommunikation – Wir verstehen einander. Menschen mit besonderem Begleitungsbedarf in der Sozialen Landwirtschaft gut integrieren

Gelingende Kommunikation ist eine Kunst – besonders, wenn die Gesprächspartner unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Doch es gilt: Jeder Mensch ist einzigartig und hat seine besondere und ganz eigene Art sich auszudrücken, jeder Mensch hat das Recht ernst genommen zu werden und sich verstanden zu fühlen. Daher müssen alle Gesprächspartner ihren Teil dazu beitragen, damit die Verständigung gelingt.
So müssen laut Ines Schicht alle drei Ebenen beachtet werden: Es geht um die ethische Dimension, in der ein gleichberechtigtes Nebeneinander zum Tragen kommt, das heißt wir können voneinander lernen und haben uns gegenseitig viel zu geben. In der kommunikativen Dimension erläuterte sie, welche Mittel zur Verfügung stehen, wie z. B. die Körpersprache, und welche nicht-elektronischen und elektronischen Hilfen unterstützen können. Beispielsweise können Bilder oder Kommunikationsbücher genauso zum Einsatz kommen wie Sprachausgabegeräte und Tablets. In der strukturierenden Dimension geht es darum, herauszufinden, was das Arbeiten miteinander erleichtern kann, z. B. was, wann, wie und wo zu tun ist, um den Belangen des Betriebes gerecht zu werden, aber auch Vorhersehbarkeit und Sicherheit zu erleben. Werfen Sie vorgefertigte Bilder über Bord, so Kommunikationsberaterin Ines Schicht, seien Sie kreativ und wagen Sie scheinbar Unmögliches. Sie überbrachte auch Grüße des Autisten Sepp Berghammer, mit dem sie zusammenarbeitet, und der allen Tagungsteilnehmern mit auf den Weg gab, dass eine "gemeinsame Sicht Grenzen überwindbar macht".

Workshops

In den vier Workshops wurden von Experten und Praktikerinnen viele Tipps, Erfahrungen und Informationen weitergegeben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten sich intensiv ein und tauschten sich teilweise in kleinen Gruppen bis spät in den Abend hinein aus. Das Resümee war durchwegs positiv wie zwei Rückmeldungen von Teilnehmerinnen aus dem Chat zeigen: "Herzlichen Dank an Sie alle! Es war die kurzweiligste und interessanteste Tagung seit Langem! Was für ein toller Ein- und Überblick zu einem Zukunftsthema unserer Zeit! Viel Erfolg auf dem weiteren Weg!" oder "Super Fachtagung. Würde ich gleich wieder mitmachen!".